
Bis das erste Baustellenschild für einen neuen Radweg aufgestellt wird, vergehen in Hessen viele Jahre - Tendenz: steigend. Foto: ADFC Hessen
Radwegprojekte in Hessen: Über die Hälfte verzögert sich
Der Ausbau von Radwegen an Bundes- und Landesstraßen in Hessen kommt deutlich langsamer voran als geplant. Das zeigen aktuelle Zahlen zu den Projekten von Hessen Mobil. Der ADFC Hessen kritisiert die Verzögerungen scharf.
Der Ausbau von Radwegen an Bundes- und Landesstraßen in Hessen kommt deutlich langsamer voran als geplant. Das zeigen aktuelle Zahlen zu den Projekten von Hessen Mobil. Der ADFC Hessen kritisiert die Verzögerungen scharf und fordert Aufklärung sowie wirksame Maßnahmen zur Beschleunigung.
Über die Hälfte der rund 200 Projekte soll später fertig werden als ursprünglich vorgesehen – und bei mehr als der Hälfte dieser Vorhaben beträgt die Verzögerung mehrere Jahre. Lediglich 23 Projekte sollen schneller abgeschlossen werden als noch im vergangenen Jahr geplant.
Ansgar Hegerfeld, Landesvorsitzender des ADFC Hessen, erklärt: „Dass einzelne Projekte schneller vorankommen, ist erfreulich – aber angesichts der Vielzahl an Verzögerungen nur ein schwacher Trost. Insgesamt zeigt sich: Der Radwegebau in Hessen kommt viel zu langsam voran.“
Sondervermögen heißt: schneller bauen, nicht langsamer
Mit dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz sei ein klares politisches Versprechen verbunden, so der ADFC. „Der Verkehrsminister steht hier bei den Menschen im Wort: Die Infrastruktur soll modernisiert und ausgebaut werden“, so Hegerfeld. „Dazu passt überhaupt nicht, dass Radwegprojekte, die größtenteils bereits seit Jahren geplant werden, nun noch später fertig werden sollen.“
Der ADFC Hessen wird das zuständige Ministerium um Aufklärung bitten, warum sich mehr als die Hälfte der Projekte verzögert.
Der Handlungsdruck ist hoch: Noch immer haben über 88 Prozent der Landesstraßen und rund 75 Prozent der Bundesstraßen keinen begleitenden Radweg. „Damit die Menschen wirklich frei wählen können, wie sie ihre Alltagswege zurücklegen, braucht es einen massiven Ausbau der Radinfrastruktur“, betont Hegerfeld.
ADFC informiert hessische Kommunen
Die Verzögerungen haben auch konkrete Auswirkungen vor Ort. „Die Menschen in den Kommunen warten auf diese Radwege“, so Hegerfeld. „Wir werden die hessischen Städte und Gemeinden darüber informieren, bei welchen Projekten es vorangeht – und bei welchen nicht.“
Planungszeiten auf drei Jahre reduzieren
Für den ADFC Hessen sind die aktuellen Zahlen ein weiterer Beleg dafür, dass strukturelle Veränderungen notwendig sind. „Hessen braucht endlich ein wirksames Beschleunigungsgesetz für den Radwegebau. Einen Radweg von wenigen Kilometern Länge zu planen, darf maximal drei Jahre dauern“, fordert Hegerfeld. „Die jetzt angekündigten Verzögerungen dürfen nicht das letzte Wort sein. Vom Verkehrsminister erwarten wir, dass die Projekte bei Hessen Mobil deutlich schneller umgesetzt werden, als derzeit in Aussicht gestellt.“
Anlass dieser Pressemitteilung sind die Antworten der Hessischen Landesregierung auf zwei Kleine Anfragen der Landtagsfraktion von Bündnis90/DIE GRÜNEN (https://starweb.hessen.de/cache/DRS/21/9/04089.pdf vom 24. März 2025 und https://starweb.hessen.de/cache/DRS/21/5/01535.pdf vom 15. Mai 2026), in denen die Verzögerungen der Radwegprojekte dokumentiert sind.